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kartomo – Umbenennung und Zeichenfindung

Eine Lern-App verliert ihren Namen, weil er einem fremden Rätselspiel gehört – und mit dem Namen auch ihr Zeichen. Vom Befund am Bestand über 40 Handentwürfe bis zur Endfassung.

kartomo

kartomo ist eine App für verteiltes Wiederholen — Lernkarten, die in wachsenden Abständen wiederkommen. Nur Text: keine Bilder, kein Audio. Diese Beschränkung ist keine fehlende Funktion, sondern die Aussage des Produkts.

Im August 2026 hat sie ihren Namen verloren und damit auch ihr Zeichen. Das hier ist die Arbeit dazwischen.

Warum der Name weichen musste

Die App hieß wordeck. Das Problem stand nicht im Markenregister, sondern in den Suchzahlen: In Deutschland kamen über 90 Tage 1.654 Impressionen und sieben Klicks zusammen — eine Klickrate von 0,42 Prozent auf Position 2,7. In der Schweiz, wo es die Verwechslung nicht gibt, waren es bei derselben Position 25 Prozent.

Der Faktor liegt bei 25 bis 35. Das ist kein Textproblem und kein Rankingproblem: Wir standen weit oben auf ein Wort, dessen Sucher jemand anderen meinten — ein tägliches Worträtsel mit Massenpublikum. Diese Kollision ist nicht zu gewinnen, weil ein tägliches Spiel seine Nachfrage jeden Tag neu erzeugt.

Umbenennungskosten wachsen mit dem Bestand, und der war praktisch null. Billiger wird es nie. Aus wordeck wurde kartomo: die Wurzel kart- lesen Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch und Polnisch ohne Übersetzung, die Endung ist erfunden. International und trotzdem nicht bedeutungsleer.

Nebenbefund aus der Namenssuche, der jede Recherche dieser Art beschreibt: von 105 geprüften reinen Kunstwörtern waren 92 bereits vergeben. Die Richtung „kurzes internationales Wort” ist praktisch abgegrast.

Was ein toter Name im Zeichen hinterlässt

Zwei Logos nebeneinander auf hellblauem Grund: links ein W aus vier gefalteten Strichen mit Blauverlauf, beschriftet wordeck; rechts zwei versetzte Karten im Umriss, beschriftet kartomo, erste Fassung

Links das Zeichen zu wordeck — ein W aus vier gefalteten Strichen. Es trägt die Initiale eines Namens, den es nicht mehr gibt. Rechts das Zeichen, das nach der Umbenennung entstand: zwei versetzte Karten.

Der Befund am Bestand kostete eine halbe Stunde und stellte die ganze Arbeit auf den Kopf:

  1. Zwei Zeichen waren gleichzeitig im Umlauf. Der kanonische Icon-Ordner führte weiter das alte W, die Landing-Seite schon die Karten. Kein Mensch hatte das entschieden — es war einfach nie zu Ende gezogen worden.
  2. Das Kartenmotiv war im eigenen Haus dreifach vergeben. Drei Nachbarprojekte führten dieselbe Figur: zwei versetzte Rundrechtecke. Das neue Zeichen war die Umrissfassung eines bestehenden.
  3. Und keines der beiden sagte, was die App tut. Karten hat das halbe Haus. Der Gegenstand ist der Abstand zwischen zwei Begegnungen mit derselben Karte — und die schärfste Aussage des Produkts, „nur Worte”, war im Zeichen unsichtbar.

Damit war klar: Es ging nicht um eine neue Farbe, sondern um eine neue Frage.

Vierzig Entwürfe auf einem Blatt

Ein karierter Notizblock mit vierzig Logo-Handskizzen in blauem Kugelschreiber, zehn Reihen zu vier, überschrieben KARTOMO

Papier vor Bildschirm, und Menge vor Sorgfalt. Vierzig Skizzen in zehn Reihen, jede Reihe ein anderer Gedanke: Karten mit Inhalt, Monogramme aus dem K, Karten in der Schräge, Stapel. Das Raster des Blocks gibt die Kachel vor, in der das Zeichen später sowieso sitzt.

Solche Bögen sind kein Vorlauf zur eigentlichen Arbeit — sie sind die Arbeit. Was am Ende trägt, steht selten in der ersten Reihe.

Der gewählte Entwurf

Die Nachzeichnung: eine hochkant stehende Karte mit zwei parallelen Diagonalen an den gegenüberliegenden Ecken, daneben dieselbe Figur in 48, 32 und 16 Pixeln sowie als App-Kachel

Unterste Reihe, zweiter von links: eine hochkant stehende Karte, dazu zwei parallele Diagonalen — eine an der oberen linken, eine an der unteren rechten Ecke, beide in dieselbe Richtung, beide von außen über die Ecke laufend. Die Figur ist damit 180 Grad drehsymmetrisch um die Kartenmitte.

Beim Nachzeichnen entscheidet sich, ob man verstanden hat, was da liegt. Die beiden Striche sind nicht kollinear, und das ist kein Zittern der Hand: Wären sie eine einzige Linie hinter der Karte, müsste sie auf der anderen Diagonale liegen. Sie zeigen aber beide in dieselbe Richtung, je einmal daneben versetzt. Es sind zwei eigene Striche — und alle vier Entwürfe der untersten Reihe zeigen dieselbe Konstruktion.

Die Nachzeichnung ist deshalb gerechnet, nicht abgepaust: Winkel, Länge und Abstand zur Ecke gehen als Zahlen hinein, die Drehsymmetrie fällt heraus. Von Hand gesetzte Koordinaten wären ab der dritten Variante nicht mehr symmetrisch — und das sieht man erst auf der kleinen Kachel, wenn es zu spät ist.

Das Ergebnis

Die fünf Stellschrauben nach der Nachzeichnung sind entschieden: scharfe Ecken, gerade geschnittene Strichenden, 45 Grad wie auf dem Papier, Linien die über die Karte hinauslaufen, und eine Fase nur an den zwei Ecken, über die eine Diagonale geht. Der Ton ist ein flaches #2065c5 — der Blauverlauf der Vorgängerzeichen gehörte zur alten Figma-Generation und zum alten Namen.

Das fertige kartomo-Zeichen: eine hochkant stehende Karte mit zwei parallelen Diagonalen an den gegenüberliegenden Ecken, blau auf hellem Grund

Dazu die App-Kachel — dasselbe Zeichen, weiss auf dem Ton.

App-Icon: das weisse kartomo-Zeichen auf blauem Grund

endeitfres