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Gedanken

Drei Monate fast leer – was ein Datenexport wert ist, den niemand prüft

„Deine Daten gehören dir, du kannst sie exportieren" ist ein Satz, den ich selbst oft sage. Also habe ich in unseren eigenen Apps nachgesehen, statt ihn weiter zu sagen. Das Ergebnis war nicht schön.

Drei Monate fast leer

Es gibt ein Bild, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Ich zahle jeden Monat dafür, dass meine eigenen Sachen bei jemand anderem liegen dürfen. Ich darf sie mir dort ansehen, ich darf damit arbeiten — aber wenn ich aufhöre zu zahlen oder wenn der andere ein Problem hat, sind sie weg. So funktioniert heute fast alles Digitale.

Der Ausweg ist immer derselbe Satz: Deine Daten gehören dir, du kannst sie jederzeit exportieren. Ich sage den Satz auch. Also habe ich diese Woche nachgesehen, ob er bei uns stimmt.

Was ich gefunden habe

In unserer Lernkarten-App gab es einen Knopf, der hiess „Voll-Export der eigenen Daten”. Er lieferte eine Datei. Die Datei war für jeden, der sich nach dem 20. Mai 2026 angemeldet hatte, fast leer.

Der Grund ist unspektakulär und deshalb umso lehrreicher. Die App hatte im Mai ihre Datenhaltung umgestellt. Die neuen Daten landeten woanders. Der Export las weiter an der alten Stelle nach — und fand dort korrekt: nichts. Kein Fehler, keine Meldung, kein Absturz. Eine gültige Datei mit fast nichts drin, unter einer Überschrift, die etwas anderes versprach.

Drei Monate lang, bis zum 23. August.

Vorweg, weil es sonst falsch klingt: Hier ist nichts abgeflossen. Der Fehler ging in die andere Richtung — die App hat zu wenig herausgegeben, nicht zu viel. Aber genau das ist die Sorte Fehler, die mich am meisten stört. An anderen Stellen derselben Baustelle hat die App sich beim Absender vertan. Hier hätte sie einen Menschen angelogen, der nach seinen eigenen Daten fragt.

Gemeldet hat es kein Mensch

Der Punkt, an dem ich hängengeblieben bin: Aufgefallen ist es niemandem, der den Knopf gedrückt hat. Aufgefallen ist es einem Wächter — einem kleinen Testprogramm, das prüft, ob eigene Daten über Wege gehen, über die sie nicht gehen sollen. Das Ding meldete die Export-Route als Karteileiche, und beim Nachsehen fiel der Rest auf.

Das ist die eigentliche Lehre. Ein Export ist die Funktion einer App, die am seltensten benutzt wird. Vielleicht einmal im Jahr, vielleicht nie. Alles andere fällt sofort auf: Wenn die Karten nicht mehr kommen, merkst du es heute. Wenn dein Export leer ist, merkst du es an dem Tag, an dem du ihn wirklich brauchst — und das ist meistens der Tag, an dem etwas schiefgegangen ist.

Eine Zusage, die niemand prüft, verfällt still.

Was der Umbau erzwungen hat

Gebaut wird der Export jetzt im Browser, aus den entschlüsselten Daten, die dort ohnehin liegen. Nicht aus Prinzipientreue, sondern weil es anders nicht geht: Die Ereignisse sind mit dem Schlüssel des Nutzers verschlüsselt. Unser Server kann sie nicht lesen.

Das hat eine unbequeme Folge, die ich hier hinschreibe, weil sie sonst untergeht. Es gibt bei uns einen zweiten, offiziellen Weg für ein Auskunftsersuchen — den, den der Verein bedient. Der läuft über den Server. Und der Server kann die verschlüsselten Daten prinzipiell nicht lesen. Diese Antwort kann also gar nicht vollständig sein.

Sie trägt jetzt ein Feld, das genau das sagt: vollständig: false, mit Begründung und mit dem Verweis auf den Weg, der wirklich alles enthält. Eine Grenze, die man kennt und benennt, ist etwas anderes als eine, die man verschweigt. Verschlüsselung, die ihren Zweck erfüllt, macht bestimmte Auskünfte unmöglich — das ist kein Widerspruch, das ist der Preis.

Und der zweite Teil des Satzes?

„Exportieren und auf einem anderen Gerät wieder importieren.” Das ist der Satz, den ich immer sage. Ich habe ihn zum ersten Mal auseinandergenommen, und dabei zerfällt er in zwei Versprechen, die nichts miteinander zu tun haben.

Hinaus geht es bei uns oft. Mindestens acht Apps schreiben eine Datei mit den Daten des Nutzers — Lernkarten, Buchhaltung, Spielstände, Notizen, Gewohnheiten, Kleiderschrank, Musik, Ernährung. Ich hatte erst drei im Kopf und lag schon da daneben.

Wieder hinein geht es bei dreien. Die Spielstände lesen ihre Datei zurück und weisen Dateien fremder Apps ausdrücklich ab. Die Notizen nehmen ihren eigenen Stapel wieder an. Und die Gewohnheiten können es nicht nur, sondern haben als einzige einen Test, der genau das prüft: Datei schreiben, Datei lesen, muss dasselbe sein — und eine fremde Datei muss abgelehnt werden.

Bei den anderen fünf ist es eine Einbahnstrasse. Am deutlichsten bei den Lernkarten: Das Exportformat heisst intern kartomo-auskunft, und dieser Name kommt im gesamten Programmcode genau einmal vor — an der Stelle, die ihn schreibt. Niemand liest ihn. Die Import-Seite nimmt Anki-Stapel und Tabellen, das eigene Format nicht. Bei der Buchhaltung dasselbe: Vollexport ja, Rückweg nein.

Das ist kein Betrug, und die Datei heisst zu Recht Auskunft. Sie beantwortet die Frage „was habt ihr über mich”, und das tut sie gut. Sie ist nur kein Umzugskarton. Ich habe zwei Versprechen in einem Satz zusammengezogen, und das zweite stimmt für drei von acht — mit Prüfung für eine.

Was ich ändere

Nicht den Anspruch. Den Satz.

Ein Export, der bei uns etwas gilt, muss drei Dinge können: Er muss die Daten enthalten, die es wirklich gibt. Er muss selbst sagen, was er nicht enthält. Und die Datei muss irgendwo wieder hineinpassen — sonst ist sie ein Beleg und kein Besitz.

Bis das überall gilt, ist der ehrliche Satz kürzer als der, den ich gewohnt war: Bei Spielständen, Notizen und Gewohnheiten kannst du umziehen. Bei den anderen bekommst du Auskunft.

Und über allem steht der Teil, der mich am meisten beschäftigt: Der Wächter hat das gefunden, nicht ich. Ich hätte den Satz weiter gesagt.

endeitfres